Wahlen: Nationalrat Ständerat und Regierungsrat Aargau

Guck mal, wer da lächelt

 

An jeder Ecke, auf jedem Platz, in Vorgärten und an Kandelabern trifft man sie wieder an: sympathische und unsympathische Gesichter von jungen, älteren und noch viel älteren Damen und Herren. Sie lächeln mir entgegen - irgendwie unheimlich. Kein Kandelaber wird von der Plakatierung verschont.

Es stehen National-, Ständerat- und im Kanton Aargau Regierungsratswahlen an. Gefühlte drölfzigtausend Personen wollen nach Bern ins Bundeshaus oder nach Aarau ins Regierungsgebäude und buhlen um die Gunst der Wählerschaft. Sie bewerben sich auf jedem noch so kleinen Fleckchen oder an Strassenlaternen mit ihrem Plakat. Der Hund getraut sich kaum mehr, an seinen geliebten Laternenpfosten zu pinkeln, aus Angst politisch inkorrekt zu handeln.

Den Überblick über die Köpfe und Parteien habe ich schon längst verloren. Mehr noch: Ich stelle bei mir bereits heute eine Art Verfolgungswahn fest, obschon die Wahlen erst am 20. Oktober stattfinden. Oder ist das gar kein Verfolgungswahn, und ich fühle mich einfach wie ein Wurm im Apfel?

Neben den Köpfen ergötze ich mich an den fast schon lyrischen Ergüssen und Slogans der Kandidierenden. Die einen bekommen ihre Tage, andere sind konsequent feministisch für 99 Prozent, und dann gibt es noch jene, die sind sackstark als Politiker und Mensch. Was für eine Beruhigung!

Nicht zu vergessen sind die wundervollen Wortspiele, die sich so gut auf «Bern» reimen. Wenn Goethe diese läse, würde er sich im Grab umdrehen. Daneben gibt es auch die ganz langweilige Fraktion, die ohne grosses Brimborium in den Nationalrat gewählt werden möchte. Na dann, viel Glück.

Das nicht vorhandene Farbenspiel bei den Aargauer Regierungsratswahlen ist ein Novum. Die Parteien haben sich augenscheinlich auf die Farbe Blau geeinigt. Nicht sehr originell. Aber vielleicht wirkungsvoll, um das politisch zutreffendere Rot oder Grün zu übertünchen?

Bis zum 20. Oktober geht es noch eine Weile. Und sobald der erste Herbststurm über das Land fegt, wird sich zeigen, welche Partei und welche Kandidierenden die Bodenhaftung (nicht) verlieren.

PS: Bei meinem Spaziergang durch Lenzburg gefiel mir das Plakat des Wochenmarkts am besten. Ich glaube, den wähle ich.

Plakat

Dieser Text basiert auf die 2016 erschienene Kolumne in der Aargauer Zeitung. Ich habe ihn den aktuellen Gegebenheiten angepasst.

PS: Die damals erschienene Kolumne finden Sie auch in meinem Buch "Das Leben. Mit dem hast du nicht gerechnet."

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