Hausboot Nicols

Eine Bootsfahrt, die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön…

Drei Wochen mit dem Hausboot durch Frankreich. Für die einen tönt das nach Langweile pur, für die anderen nach Gemütlichkeit, wie es Balu der Bär einst gesungen hat. Für mich war es einfach eine wunderbare und erholsame Reise.

Unser Hausboot mit dem Namen «Chambertin», nach dem gleichnamigen Weingebiet an der Côte d’Or im Burgund benannt, nahmen wir beim Bootsvermieter Nicols in Plagny bei Nevers in Empfang. Nach einer kurzen Probefahrt, die Kapitän Dominik mit Bravour meisterte, startete unsere Reise auf dem Canal latéral à la Loire. Auf der von uns gebuchten Strecke benötigt man übrigens keinen Bootsführerschein.

Der erste Streckenabschnitt führte uns durch eine wunderschöne Gegend mit viel Natur und einigen kleinen Dörfern. Es waren nur wenige andere Boote unterwegs, es hatte kaum Schleusen, und so kamen wir schnell vorwärts. In Decize, einem kleinen Städtchen direkt an der Loire, verliessen wir den Canal latéral und fuhren auf dem Canal du Nivernais weiter.

Mit Hilfe des Kanalführers wussten wir immer, wo wir uns befinden, wann die nächste Schleuse kommt, wie hoch diese ist und welche Dörfer und Städte sich lohnen zu besuchen. Auch die Einrichtungen an den Häfen sowie Verpflegungssituation in den Ortschaften konnten wir aus dem Reiseführer entnehmen. Eine wirklich praktische, ja unentbehrliche Sache.

Die Abstände der Schleusen auf dem Canal du Nivernais wurden immer geringer. So verbrachte ich als Matrose mehr Zeit an Deck, als irgendwo anders.

Im Verlauf der Reise beförderte mich übrigens Kapitän Dominik vom Matrosen zum 1. Offizier. Dies änderte allerdings nichts an meinen Aufgaben. Die Ansprüche an mich wurden einfach höher… 😉

Der schönste Abschnitt der ganzen Reise war von Bazolles bis nach Port Brûlé – nicht verwandt mit der Creme. Ab und zu hatte ich das Gefühl, direkt durch den Urwald zu fahren. Die Farben der Natur und die Ruhe um uns herum waren ein Erlebnis für sich.

Während dieses chilligen Abschnittes konnte ich dann Kraft für die kommenden Arbeit tanken. Denn eine Schleuse jagte daraufhin die nächste. Viel Zeit zum Ausruhen gab es nicht. Mussten wir gerade mal nicht schleusen, versperrte uns sicher eine Ziehbrücke den Weg. Etwas war immer.

Nach dem Canal du Nivernais ging die Reise auf der Yonne weiter. Die Wasserqualität der Yonne war um Welten besser, als im Kanal. Darum durfte ein Bad im kühlen Nass nicht fehlen.

In Auxerre blieben wir zwei Nächte. Ausschlafen und waschen stand auf dem Programm. Die Stadt bietet einige hübsche Plätze und gute Restaurants. Dank der super Lage des Bootshafens, konnten wir alle Sehenswürdigkeiten zu Fuss erkunden.

Auxerre
Auxerre by Night

Danach ging es auf der Yonne weiter. Der gebunkerte Diesel reichte nicht für die ganze Reise. Darum mussten wir einen kurzen Abstecher in den Canal de Bourgogne bis nach Brienon-sur-Armaçon machen. Bei der Nicols-Basis bekamen wir neuen Treibstoff und fuhren anschliessend zurück auf die Yonne. Die Abstände der Schleusen wurden daraufhin wieder grösser, und ich konnte wieder vermehrt chillen.

Frachter und Hausboot

Nach einem kurzen Abschnitt auf der Seine kamen wir auf den Canal du Loing. Die neunzehn Schleusen sind allesamt automatisch und per Fernbedienung, die wir bei der ersten Schleuse erhielten, steuerbar. Ein toller Abschnitt, ohne Mittagspause der Schleusen. Danach kamen wir auf den Canal de Briare.

Bei den sieben Schleusen von Rogny zeigte der Termometer stattliche 39 Grad. Schleusen bei dieser Hitzte war kein Zuckerschlecken. Aber als 1. Offizier musste ich da durch. Als Matrose hätte ich wahrscheinlich gemeutert.

Rogny
Sieben Schleusen

Nach der Ortschaft Briare schipperten wir wieder auf alt bekanntem Gewässer: auf dem Canal latéral à la Loire bis zurück zu unserem Ausgangspunkt in Plangy. Dazwischen besuchten wir das Wein-Städtchen Sancerre, und ein kleiner Abstecher nach Nevers lag vor der Bootsrückgabe auch noch drin.

Ich kann diese Reise nur empfehlen. Sie ist abwechslungsreich, landschaftlich und kulinarisch ein Genuss. Die 184 Schleusen, verteilt über eine Gesamtstrecke von 400 km machen Spass und brachten Bewegung in den Tag. In weniger als drei Wochen ist die Reise kaum machbar. Weniger ist auch beim Bootsfahren oftmals mehr.

PS: Wir haben viele Tier gesehen. Dominik Dachs, Niki-Tiki und die Katzenpiraten gehörten nicht dazu. ☺️

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