Leas Geschichten

Mein Name ist Lea Grossmann – und das ist meine Geschichte

Das ist die Überschrift meines Textes, den ich für die VELB-Zeitung* schreiben durfte. Die Geschichte beschreibt einen Teil meines Lebens, der mich geprägt hat und zu der Frau hat werden lassen, die ich heute bin.

 

*VELB => Verein ehemaliger Lenzburger Bezirksschülerinnen und Bezirksschüler

 

Meine Geschichte

„Mama. Ein Jahr kaufmännische Lehre ist genug. Ich breche meine Lehre ab.“ In etwa so stellte ich meine Mutter vor die vollendete Tatsache. Meine Mutter hatte gerade eine wüste Scheidung hinter sich und konnte sich nicht dazu aufraffen, mich zu einer Fortführung der Lehre zu bewegen.

Ich kann mich noch gut an das Gefühl der neugewonnenen Freiheit erinnern: Ich hatte keine Verpflichtungen und konnte einfach in den Tag hineinleben. Ach wie schön! Schnell wurde mir aber klar, dass das Leben nicht kostenlos ist. Ich musste wohl oder übel einer bezahlten Arbeit nachgehen.

Schlecht bezahlte Aushilfsjobs, das war alles, was zur Auswahl stand. So arbeitete ich als Zimmermädchen, als Datenerfasserin und als Telefonverkäuferin für Dusch-WCs. Glücklich wurde ich in diesen Jobs nicht.

Zurück zum Start

In dieser Zeit lernte ich meinen jetzigen Lebenspartner kennen. Ihm zuliebe entschied ich, die Lehre zu fortzuführen. Da ich das 1. Lehrjahr abgeschlossen hatte, konnte ich im 2. Lehrjahr wieder einsteigen. Immerhin etwas.

Nur: Wer stellt schon eine Lehrtochter ein, die schon eine Lehre abgebrochen hat? Nach rund 30 Bewerbungen war ich kurz vor der Aufgabe. Bereits der Verzweiflung nahe, bekam ich einen Vorstellungstermin bei der Elektro Würgler AG in Niederlenz. Meine letzte Chance, dachte ich mir. Ich stellte mich mit rasendem Puls und feuchten Händen dem Gespräch mit dem Patron der Firma, Thomas Würgler. Er spürte meine Verzweiflung - und stellte mich ein.

Vom Banking zur Selbständigkeit

Das war vor 23 Jahren. Bald nach dem erfolgreichen Abschluss der kaufmännischen Lehre wechselte ich in die Bankenbranche, wo mich meine Karriere von der Schaltermitarbeiterin zur Geschäftsstellenleiterin führte.

In meinen ersten Berufsjahren gab es noch keine Smartphones und Social Media, jedoch erlebte ich deren Geburt und Aufstieg eins zu eins mit. Im Laufe der Zeit begann ich die Social Media nicht nur regelmässig zu nutzen, sondern verfolge die neusten Entwicklungen und teste Verschiedenstes intensiv aus. Ich darf mich sowohl zu den «Early Adopters» als auch zu den «Heavy Users» zählen.

Mein Wunsch nach Veränderung, nach Kreativität wurde immer stärker. Dies führte mich im Mai 2016 vom Banking weg ins Marketing des Onlinehändlers BRACK.CH als Marketing Manager Kommunikation.

Meine Liebe zum geschriebenen Wort habe ich schon in meiner Jugend entdeckt. Im Juni 2015 beschloss ich, meine Gedanken in Form von Kurzgeschichten aufzuschreiben und diese in einem Blog zu veröffentlichen. Im Frühjahr 2017 nahm ich diese Geschichten, steckte sie in ein Buch und veröffentlichte es.

An meiner ersten Lesung im September 2017 in der Stadtbibliothek Bremgarten lernte ich Franziska Vonaesch kennen. Sie fragte mich nach der Veranstaltung, ob mich die Arbeit bei BRACK.CH befriedige. Sie hätte da eine sehr interessante Geschäftsidee und sie brauche jemanden, der oder die Geschichten verfassen könne.

Und jetzt im Mai 2018 stehe ich hier und führe mit Franziska zusammen die Firma Businessmind GmbH und mache das, was ich am liebsten mache, nämlich schreiben. Ich schreibe Geschichten für KMU und produziere Inhalte für ihre Webseiten und ihre Social-Media-Kanäle. Genau für solche KMU, wie die Elektro Würgler AG, die mir damals die Chance gab, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen und die Lehre abzuschliessen.

Rückblickend hat mich meine Jugendsünde des Lehrabbruchs nicht das Genick gebrochen: Ich hatte meinen Partner an meiner Seite, einen Lehrbetrieb, der mich unterstützte und nun eine Geschäftspartnerin, mit der ich mich auf neue Wege begebe. Auch wenn es nicht immer so läuft, wie man es sich wünscht - auch Fehlentscheidungen tragen zum Erfolg bei. Sie machen einem stärker und um Erfahrungen reicher.

Der Titel meines Buches heisst übrigens: „Das Leben. Mit dem hast du nicht gerechnet.“ Irgendwie passend. Finden Sie nicht?

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